Wie arbeiten wir?

Basierend auf dem humanistischen Menschenbild und dem Wachstumsmodell von Virginia Satir geht es in der systemischen Arbeit primär darum, die Beziehung des Menschen zu sich selbst und zu anderen Menschen zu verstehen, zu verbessern und zu stärken. Im Therapieprozess, an dessen Beginn die gemeinsame Erarbeitung Ihres individuellen Zieles steht, kommen verschiedene Methoden zum Einsatz. Dazu zählen beispielsweise die Erstellung eines Genogrammes, die Arbeit mit dem Familienbrett oder die symbolische Arbeit mit Figuren.
An erster Stelle aber steht das intensive Gespräch und der Austausch in einer vertrauensvollen und wertschätzenden Atmosphäre.
Systemische Therapie ist immer lösungsorientiert und betrachtet den Menschen nicht isoliert, sondern im Kontext mit den anderen Mitgliedern seines Systems (z.B. der Familie). Integrativ bedeutet, die z.B. aufgrund einer Krise verschütteten, ungenutzten, jedoch in jedem Menschen vorhandenen Ressourcen neu zu entdecken und so wieder nutzbar zu machen. Ein besonders wichtiges Ziel im Therapieprozess ist es, sich selbst wieder ganzheitlich wertzuschätzen und alte Muster und Glaubenssätze durch die Integration neuer und passenderer Handlungsstrategien abzulösen, um wieder leichter und ausgeglichener leben zu können.

Die systemische Familienaufstellung ist eine weit verbreitete Methode in der therapeutischen Arbeit. Vor allem wenn es um das Verständnis von Zusammenhängen im familiären Kontext geht, kann dieses Verfahren sehr hilfreich s ein.

Was aber verbirgt sich hinter dieser Arbeitsweise?

Grundsätzlich werden bei dieser Methode Personen stellvertretend für Mitglieder des eigenen Familiensystems aufgestellt bzw. angeordnet, mit der Idee, durch diesen Perspektivenwechsel neue Eindrücke zu Mustern und Konstellationen bzgl. der eigenen Familie zu gewinnen. Diese neuen Erkenntnisse führen oft zu einer starken Entlastung und einem besseren Verständnis der eigenen Familie und sich selbst gegenüber, und eröffnen so neue Lösungsmöglichkeiten.

Diese besondere Methode der Familienaufstellung findet ihren Ursprung z.B.in der Arbeit mit dem „Psychodrama“, nach Jakob Moreno. Eine weitere wichtige Vertreterin in der Entwicklung der systemischen Arbeitsweise ist Virginia Satir: sie konzipierte die „Familienskulptur“, um Familienbeziehungen durch Aufstellen von Skulpturen nonverbal darzustellen. Auch die sogenannte Familienrekonstruktion, bei der die Beachtung mehrerer Generationen dargestellt wird, spielte bei Ihrer Arbeit eine große Rolle. Als nur einige von vielen weiteren Vertretern, die diese Methode weiterentwickelt haben, wären da unter anderem z.B. Milton Erickson, Salvador Minuchin oder auch Bert Hellinger zu nennen, wobei letzterer oft kritisch gesehen bzw. sogar abgelehnt wird.

Wie funktioniert die Familienaufstellung?

Je nach „Vertreter“ der jeweiligen „Schule“ (s.o.) geht es grundsätzlich darum, dass der Klient mit einer bestimmten Fragestellung zu seiner Familie in die Aufstellung geht. Die Aufstellung kann dann entweder in größeren Gruppen mit Publikum stattfinden, (z. B. auch Aufstellungsabende oder Wochenenden) und der Aufstellende sucht sich dann aus dem Publikum die relevanten, und für ihn passenden sog. „Stellvertreter“. Unter Begleitung des durchführenden Therapeuten positioniert er diese dann so, wie sich für ihn die Situation darstellt bzw. anfühlt. Unter professioneller Anleitung des Therapeuten wird dann je nach Fragestellung umgestellt, verändert, evtl. Verstrickungen sichtbar gemacht und hinterfragt und nach Alternativen und Lösungen gesucht. Dies erfolgt auf Basis der Äußerungen und Rückmeldungen der jeweiligen Stellvertreter, weil man davon ausgeht, dass diese die entsprechenden Gefühle in ihrer Stellvertreterrolle „spüren“. Die Rückmeldung dieser an den Aufstellenden soll diesen dann mehr Klarheit bzw. neue Perspektiven eröffnen.

Ebenso kann eine Aufstellung aber auch im Rahmen einer Therapie oder Beratung im persönlichen Kontext mit dem Partner oder der Familie umgesetzt werden. Dabei kann die Aufstellung sowohl durch die bereits o.g. Skulpturarbeit (also direkt mit den jeweiligen Personen) erfolgen, oder auch indirekt, anhand einer Aufstellung mit Figuren auf dem Familienbrett. Auch dies geschieht unter professioneller Anleitung und Begleitung des Therapeuten.

Auch werden sogenannte systemische Struktur/Aufstellungen in Firmen und Unternehmen häufig genutzt, wenn es Konflikte gibt oder auch um die Effektivität von Abläufen und deren Verbesserung und Optimierung geht.

 

Resumé:

Entscheidend ist aus meiner Sicht, wie bei allen therapeutischen Methoden, ein respektvoller, sensibler und vorsichtiger Umgang mit den jeweiligen Themen der Klienten, bei der die Klienten und ausschließlich deren Wohl im Mittelpunkt steht!

Dann kann diese Methode nicht nur diagnostisches Hilfsmittel sein, sondern die Klienten entlasten und damit auch wirklich in ihrer positiven Weiterentwicklung unterstützen indem sie Muster verdeutlicht, auflöst und damit neue Perspektiven schafft.

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Therapeutin findet diese Methodik in Form des Familienbretts Anwendung oder in der systemischen Familientherapie als Skulpturarbeit. Ich biete aber keine reinen Aufstellungsabende (wie oben beschrieben) außerhalb des therapeutischen Settings an.

 

Angelika Reil